Fastnacht ist Kultur

 

Die Fastnacht ist nicht alles, aber ohne die Fastnacht ist alles nichts. Ein Satz wie in Stein gemeißelt. Die Fastnacht dualisiert und polarisiert! Für viele ist die "5. Jahreszeit" die schönste, für andere ein nicht nachvollziehbares, schrilles und sinnloses Getue. Wie für alle Dinge des Lebens gehört immer eine gewisse Toleranz von beiden Seiten für beide Seiten dazu. Genauso trägt die Fastnacht eine Toleranzgrenze in sich, quasi ein Vorschlagventil, das zumachen muss, wenn sie aus dem eigenen Fahrwasser gerät. Die Gründe könnten bei Kommerzialisierung beginnen und bei Fastnachtsevent aufhören.

 Der Ortenauer Narrenbund hat seinen Leitsatz "Fastnacht ist Kultur" als eigene Marke schätzen lassen. Wir verstehen darunter die Bewahrung unserer regionalen Fastnachtskultur, die Hervorhebung einer Heimatverbundenen Fest- und Feierkultur, sowie das Bekenntnis zu unserer berechtigten Kultur der Freude und des Humors.

 Die Fastnacht verlief in ihrer Geschichte nie statisch und museal. Sie lebte schon immer von dem jeweiligen Zeitgeist ihrer Gesellschaft, sie spiegelte sie quasi wieder und das bis zum heutigen Tag. Fastnachtsbräuche entstanden, entwickelten sich weiter oder verschwanden für immer. Um es auf den Punkt zu bringen. Fastnacht bedeutet nichts anderes als "leben". Jede Verkleidung und Maskierung erfordert auch eine Öffnung des eigenen "Ich". Freude und Leid, laut und leise, elegant und schrill, niveauvoll und scheinbar sinnlos. Alle diese angeführten Punkte haben genauer betrachtet eine Berechtigung in unserem Leben. Wir leben von diesem Zusammenspiel oder Auseinaderdriften dieser positiven und negativen Kräfte in uns. Die Fastnacht lässt uns das in einem begrenzten Zeitraum erleben und erkennen, vorausgesetzt wir wollen das und lassen es zu.

 Wenn wir von der Fest- und Feierkultur im Ortenauer Narrenbund sprechen, so möchten wir nicht der Schulmeister und Mahner sein, sondern darauf hinweisen, dass es mehrere Möglichkeiten des Feierns gibt. Muss es für die Jugendlichen und Heranwachsenden immer ein separates Discozelt  geben, oder lässt man es weg, damit man in Zelten, in Kellern in Lokalen gemeinsam feiert! Jeder kann von dem anderen lernen und am besten funktioniert das bei direkter Begegnung.

 Wir erachten es als wichtig aufzuzeigen, dass Fastnachtsbrauchtum auf verschiedener Weise dargestellt werden kann. Eine klare Absage erteilen wir dem Fastnachtsevent, deren Inhalte rein kommerziell und zielgruppenorientiert ausgerichtet sind. Was hindert uns daran den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden parallel zu den gängigen "Ganzjahrespartyevents" auch noch etwas anderes anzubieten? Veranstaltungen ohne überdimensionale Partyzelte und Eventmeilen, dafür bodenständige Fastnachtsmusik und Gemeinschaft! Fastnacht als Erlebniswelt!  Party kann man 365 Tage haben. Fastnacht nur vom Dreikönigstag bis Aschermittwoch. Je uriger und ortsbezogener diese "Erlebniswelt Fastnacht" gestaltet wird, umso größer wird die Anziehungskraft auf alle Altergruppen sein.

 Die Südländer behaupten, dass die Schwermut nach den Alpen beginnt. Liegt es an der Sonne oder an uns? Die Sonne kann es nicht sein, die scheint bei uns oft. Eher kommt uns die Leichtigkeit des Seins in unserer hoch zivilisierten Gesellschaft immer öfters abhanden. Fastnacht ist Kopfsache. Man muss sich auf sie einlassen können. Vereinfacht und erleichtert wird es durch das entstehende Gemeinschaftsgefühl und durch das Verkleiden und Maskieren. Die gesellschaftliche Distanz wird so von Anfang an minimiert. Es ist ein erheblicher Unterschied ob 400 Personen verkleidet oder völlig normal bekleidet an einer Veranstaltung teilnehmen. Gerade durch die Maskierung demaskiert man genauer betrachtet seinen gesellschaftlichen Zwang. Wie Glückselig kann Fastnacht doch sein!

 
 
 
 



Narrenrat Berghaupten 1935


 
 



Narrenzunft Appenweier Elferrat  1932


 
 

Historie des Verbandes


 
 

Der Ortenauer Narrenbund (ONB) ist ein Zusammenschluss von 58 Fastnachtszünften. Das Verbandsgebiet umfasst drei Landkreise. Es reicht von der Murg im Norden bis zur Schutter im Süden und vom Rhein bis zu den Schwarzwaldhöhen an der ehemaligen württembergischen Grenze. Jede der sieben Regionen hat ihre eigenen närrischen Besonderheiten. Über 30.000 Fastnachter finden sich in diesem Verband wieder. Dem ONB gehören in Städten und Landgemeinden beheimatete Zünfte an. Ihre Gründungen reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie wahren alte Traditionen und integrieren sie behutsam in die Zeit. Das städtische, teilweise prunkvolle Fastnachtsspiel, gepaart mit alten ländlichen Heischebräuchen und der Straßenfastnacht, macht den Reiz dieser Brauchtumsformen aus.

Der ONB steht für die Pflege und Bewahrung einer regionalen Brauchentwicklung im Einklang mit der Historie. Eingebettet im schönen Hanauerland, in Kehl, steht das Narrenpalais, das Haus des Ortenauer Narrenbundes. Wechselnde Fach- und Brauchtumsausstellungen laden mit fastnächtlichen und kulturellen Veranstaltungen zum Besuch ein. Das Engagement vieler Menschen ist notwendig, um dieses Volksbrauchtum am Leben zu erhalten. Ihr ehrenamtliches Schaffen und Wirken in den Zünften betrachtet der ONB als wichtigen Baustein für eine lebendige und humane Gesellschaft.

 
 
 
 
 
 



Narrenzunft Sasbachwalden


 
 
 

 

Heimat für die Zünfte an der Nahtstelle

 

Die Zünfte des ONB führen örtliche Fastnachtstraditionen fort, die bis in die 1850er Jahre zurückreichen. Das Verbandsgebiet des Ortenauer Narrenbundes, der am 10. September 1981 in Appenweier gegründet wurde, befindet sich an der Nahtstelle zwischen der alemannischen Fasnet und dem rheinischen Karneval. 1981 strebten  25 von ihnen einen geordneten Zusammenschluss an. Hanspeter Mayer, 1. Zunftmeister der Narrenzunft Appenweier (fastnächtliches Brauchtum in Appenweier seit 1910), initiierte die Gründung des Ortenauer Narrenbundes und wurde sein erster Präsident. Zu den Gründungszünften zählten unter anderem die Narrhalla Achern 1873 e.V., die Ottenhöfener Knörpeli (Fastnacht seit 1938), die Narrenzunft "Backstein- und Matrazenbourg" Gengenbach (gegründet 1953), die Narrenzunft Knerbli Berghaupten (Brauchtum seit 1858), die Narro-Gruppe Oberkirch (gegründet 1972) und die Narrenzunft Oberachern, deren Traditionen auf das Jahr 1890 zurückgehen.

Der ONB sieht seine Arbeitsgrundlage in den historisch gewachsenen Brauchabläufen der Fastnacht, die bis in die 1850er Jahre zurückreichen. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Brauchtum in seiner ortsgebundenen und bodenständigen Tradition zu bewahren. Dazu möchte er seine inzwischen 58 Mitgliedszünfte beraten sowie die Narrenjugend und den Brauchtumstanz fördern. Die Pflege der eigenen Fastnacht zu Hause ist der erste Auftrag aller Verbandszünfte.

 

 "Närrisch ist was lebt und schwebt auf Erden

und was nicht närrisch ist,

das muss noch närrisch werden!"
(Motto der Narrenzunft "Backstein- und Matratzenbourg" Gengenbach 1953 e.v.)

 

Die regionale Fastnachtsentwicklung im Ortenauer Narrenbund

 

Die Fastnacht wurde bis auf wenige Ausnahmen um den Fastnachtssonntag herum gefeiert. In den 1890er Jahren fand eine rege Wirtschaftsfastnacht statt, die in der Regel von den städtischen und dörflichen Vereinen und Handwerkszünften gestaltet worden ist. So wird seit 1910 bis zum heutigen Tag  in Bad Peterstal der traditionelle Maskenball durchgeführt. (Quelle: Peterstaler Narrenzunft 1906 e.V.) Seit 1911 ist in Bühl / Offenburg die Wirtschaftsfasent schriftlich belegt. Bühl hat heute 1200 Einwohner, vor 100 Jahren deutlich weniger. Dennoch wurde in diesem schönen kleinen Ort schon damals eine eigenständige Fasent gefeiert. Und das bis heute.

(Quelle: Narrenzunft Muhrbergdachsen Bühl)

 

In Achern wurde 1873 die Narhalla Achern und 1890 die Narhallia Oberachern gegründet. Die Vereinsstruktur war nach dem Vorbild des Rheinlands karnevalistisch geprägt. In den dörflichen Bereichen beteiligte sich nahezu die gesamte Einwohnerschaft an den Fastnachtsumzügen am Fasentsonntag. Die Motive wurden äußerst kreativ ausgewählt, unterlagen jedoch einer Beeinflussung des Expansionsgedankens des deutschen Kaiserreichs. Aus diesem Grund bildeten Schiffe, Züge und exotische Völker die Hauptattraktionen der Umzüge, aber auch historische Narrenfiguren wie der "Wilde Mann" oder der "Strohbär".

 

"Narrenfiguren, die in den 1920er Jahren immer wieder das Geschehen bereicherten waren der Menschenfresser", eine Art "wilder Mann" der den Kindern Furcht einflösste sowie die "Schudipolizei" die für die närrische Ordnung sorgte. Es ist erstaunlich welche Anstrengungen und welcher Aufwand zur Gestaltung einer guten und schönen Fastnacht damals betrieben wurden, trotz vielfach widriger Zeitumstände und sicherlich manchmal dringenderer Probleme. Es kann angenommen werden, dass die närrischen Idealisten jener Zeit oftmals als Verrückte" oder Spinner" bezeichnet wurden. Aber diese Personen hielten trotz allem stets die Idee der Narretei hoch, das verdient heute noch Respekt sowie Dank und höchste Anerkennung."

(Quelle: Narrenzunft Germania Sasbachwalden 1928 e.V.)

 

1885 ließ die Gemeindeverwaltung von Wagshurst durch ihren Bott (Ausrufer) folgendes verkünden:

"Am Aschermittwoch ist aller Unfug auf öffentlicher Straße strengstens verboten, ebenso ist aller Lärm auf der Straße besonders bei Nachtzeit auch während der Fastnacht streng verboten was öffentlich bekannt gemacht wird."
(Quelle: Narrenverein Houmock Wagshurst e.V.)

 

1929 beschrieb Franz Ell in seinem Buch "Aus der Geschichte von Wagshurst und vom Maiwald" die Wagshurster Dorffastnacht:

"An den Fastnachtstagen werden gern örtliche Ereignisse oder Personen ausgespielt. Einige Wochen vor Fastnacht beginnen die Burschen mit dem sogenannten "Schnurren". Abends nach dem Nachtessen verkleiden sie sich und gehen dann in jedes Haus, in dem noch ein Licht brennt. Ist’s jedoch 12 Uhr, dann muss man sich demaskieren. Vorher darf keine Maske heruntergerissen werden. An den eigentlichen Fastnachtstagen wird auch noch gefochten. Am Fastnachtsmontag und Dienstag ziehen nämlich die sogenannte "Schudibutze" paarweise von Haus zu Haus und erhalten jeweils ein Ei oder auch ein Stück Speck. Mittags werden die Masken abgelegt."

(Quelle: Narrenverein Houmock Wagshurst e.V.)

 

Ab den 1920er Jahren setzte eine breite Umbenennung der bestehenden Organisationskomitees in Zünfte und Narrenräte ein. 1924 wurde aus der Narhalla Oberachern die Narrenzunft Oberachern. Auch gründeten sich feste Zusammenschlüsse. 1934 gründete sich der Narrenrat "Knerbli" Berghaupten und am 11.11.1938 die Fastnachtsvereinigung "Knörpeli" Ottenhöfen.  

 

Die Nationalsozialisten prägten auf ihre Weise die Entwicklung in unserem Verbandsgebiet. Neben dem Germanenkult wurde die regionale Fastnacht den Winteraustreibungsbräuchen zugeordnet. Fastnacht wurde nun geordnet und bestimmt. Dies verdeutlicht ein Auszug aus der Chronik der Narthalla Renchen e.V.:

 

Die nationale Regierung beabsichtigt die bodenständigen und alten Gebräuche der Fastnacht in unserem Volke wieder zu wecken. Auch in Renchen hat sich ein Elferrat gebildet, der die Veranstaltungen über Fastnacht überwacht, fördert und selbst veranstaltet. In der ersten vorbereitenden Sitzung wurden als Elfer nominiert die Herren:

Georg S., Robert S., Willy K., Fritz B., Franz Josef B., Alois M., Franz B., Otto K., Josef B., Adolf V., Josef S.. Als Ersatzleute und Beirat wurden bestimmt die Herren: Hans W., Wilhelm S., Fritz W., Dr. Erich F., Fritz K., Ernst G., Rudolf W., Otto Sch., Otto B..

 

Soweit die Bevölkerung schnurrt wolle sie sich an die alten Kostümen und Formen halten. Eine Behinderung des Fastnachtstreibens wird in keinem Falle zugelassen. Stoff für Schnitzelbänke und dergleichen wolle beim ersten Elfer Herrn S. abgegeben werden. Verschwiegenheit wird in jedem Falle zugesagt.

 
Das Bürgermeisteramt
Im Horni 1934
 

 

 

Interessanter Weise gründete sich gerade in dieser Zeit der Rückbesinnung zur alemannischen Fasent 1935 der Karnevalsverein Rheinbischhofsheim. Hängt das vielleicht mit der direkten Nähe zum Vater Rhein zusammen? In dem Rheinbischofsheimer Narrenbuch wurden ab 1935 handschriftlich die närrischen Ereignisse zusammengefasst.  Am 23.02.1938 führte der Narrenrat Knerbli Berghaupten sein erstes Narrengerichtsspiel auf.

 

 
 



Narrengericht Berghaupten 

 

Alte Fastnachtsbegriffe wie Altweibermühle, Narrenvater und Narrenmutter aber auch Prinz Karneval tauchten immer wieder in den Narrenchroniken der heutigen Verbandszünfte auf. Nach dem verheerenden Ende des II. Weltkrieges bedurfte es einige Jahre bis sich die Bevölkerung von dem Trauma erholt hatte. Anfang der 1950er Jahre wurde das fastnächtliche Brauchtum wieder mit Leben erfüllt. Die "alten Zünfte" formierten sich wieder und neue entstanden.

Neu in dem Sinne, dass sie die bisher bestehende Fastnachttradition in ihren Orten einen festen Platz geben wollten. Viele Personen, die bereits vor dem Krieg die Fastnacht in einem losen Zusammenschluss gelenkt hatten, gründeten nun eine eigene Narrenzunft. Viele Zünfte übernahmen die alten Necknamen für ihre Stadt oder Gemeinde als Zunftname, wie beispielsweise der Narrenverein Zimmeria-Hornussia Urloffen, der sich 1959 gründete.

 

"Zu dem Narrenverein Urloffen gehört die Häsgruppe der "Hornusser". Der Geschichtliche Hintergrund der Hornusser fährt auf einen Weidenkrieg im 1500ten Jahrhundert zwischen Urloffen und Appenweier zurück. Die Appenweirer Bauern ließen ihre Kühe auf der Urloffener Gemarkung weiden. Das wiederum wurde von den Urloffener Bauern nicht akzeptiert, woraufhin es zwischen den beiden Dörfern zum Streit kam und die Appenweirer Schläge bezogen. Da sie die Urloffener Weide nicht meiden wollten, haben sie sich am Körper gepolstert, damit die Schläge der Urloffener nicht mehr wehtaten. Die Urloffener Bauern waren nicht dumm und fingen Hornissen ein, die sie dann beim nächsten Streit auf die gepolsterten Appenweirer und deren Kühe jagten. Für die Appenweirer hatte dies schmerzliche Eindrücke zu Folge." (Quelle: Narrenverein Zimmeria-Hornussia Urloffen)

 

Im Übrigen beruft sich die Narrenzunft Appenweier auf die gleiche Geschichte mit ihrer bäuerlichen "Sandwangscht" Häsfigur. In den 1950er Jahren gründeten sich der Narrenrat Wölfe Eckartsweier, die Narrenzunft Otterswierer Leimewängscht, die Hexenzunft Bühler Hexen, die Stänglihocker Narrenzunft Oberschopfheim, die Schräckslizunft Diersburg und die Narrenzunft Backstein & Matratzenbourg Gengenbach, um nur einige aus unserem Verbandsgebiet zu nennen. Man genoss die Nachkriegszeit. Die Lebenslust und die Kreativität der Menschen spiegelten sich an den herrlichen Kostümen und Themenwagen an der Fastnacht wieder. Man darf nicht vergessen, dass die Maskenbälle und Kappenabende an der Fastnacht eine der wenigen Möglichkeiten für Mann und Frau war, sich kennen zu lernen. Viele heutige Paare lernten sich an Fastnacht kennen.

 

 

 

In den 1960er und 70er Jahre setzte der Sport- und Festhallenbau in den Orten ein. Sie wurden nun zu dem zentralen Festplatz der Fastnacht. Dieser Prozess ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die Wirtschaftsfastnacht in machen Orten nahezu zum erliegen kam. Viele Zünfte haben das zwischenzeitlich erkannt. Es ist eine "kleine Renaissance" der Wirtschaftsfastnacht feststellbar. Eine überaus erfreuliche Entwicklung.

 

 

Fastnächtliche Werte im Ortenauer Narrenbund

"Die Fastnacht verbindet Menschen aller Länder und gibt uns die Möglichkeit, uns die Hände zu reichen für eine friedvolle Zukunft. Wir alle tragen unsere Masken und Gewänder mit Stolz. Sie sind Zeichen der Gleichheit, egal wie unterschiedlich sie auch sein mögen."
 

"Die Lebensfreude unserer Fastnacht ist manchmal laut. Sie hat aber auch leise Töne, die nicht jeder hört. Fastnacht erinnert uns nicht zuletzt an die eigene Endlichkeit."

 

"Wir Narren bleiben bei Kindern und älteren Menschen stehen, reichen ihnen die Hand und haben Zeit für ein liebes Wort. Wir Narren gedenken auch der Menschen, denen es aufgrund von Krankheit oder Gebrechens nicht möglich ist, an der Fastnacht teilzunehmen."

 

"Wir halten anderen den ernsten Spiegel vor, nur erkennt sich nicht jeder darin. Narren haben das uralte Recht des offenen und ehrlichen Wortes. Auch wenn heute viele Menschen damit nicht mehr umgehen können, wollen wir diesen alten Brauch weiter pflegen."

 

 

Das Präsidium

 

Das geschäftsführende Präsidium des ONB setzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen:

 

Präsident

Rainer Domfeld, Berghaupten

1. Vizepräsident:

Karl Hansert , Appenweier

2. Vizepräsident:

Karl Küderle , Offenburg

Kanzlerin:                                          

Lena Raabe , Kehl

Schatzmeister:                                   

Bernd Glück, Kehl-Goldscheuer

Kurier (Öffentlichkeitsreferent):

Mattias Drescher, Offenburg

Vertreter der Regionalmeister               

Fabiane Reichenbach, Ichenheim

  

 

Jede der sieben Regionen im ONB ist im Gesamtpräsidium mit zwei Regionalvertreter vertreten. Die Regionen haben sieben bis zehn Mitgliedszünfte und heißen Bühlot-Murg, Hornisgrinde, Hanauerland, Renchtal, Hohberg/Lahr, Offenburg und Kinzigtal. Hinzu kommen rührige Ausschüsse, die sich aus kompetenten und engagierten Aktiven der Mitgliedszünfte zusammensetzen. Sie widmen sich unter anderem der Jugend, dem Tanzsport, der Musik und Ausstellungen. 2011 bezieht der ONB sein neues Domizil in Kehl (Hafenstraße 1). Das "Narrenpalais" ist künftig Versammlungs- und Ausstellungsort und bietet Raum für das Verbandsarchiv, für Lehrgänge, Sitzungen und Empfänge.

 

"Die Welt können wir nicht verändern,

wir können sie jedoch mit Freude erfüllen."

 

Narrensprüchle des Ortenauer Narrenbundes e.V.

 

 

Die Fastnacht als "Begegnung der Seelen"

 

Rainer Domfeld aus Berghaupten wurde 2004 Präsident des Ortenauer Narrenbundes, sein Vorgänger war Otto Schnurr (Ottenhöfen). Wichtig ist Domfeld die Positionierung der traditionellen Fastnacht. Sie dürfe nicht zur "Ganzjahrescomedy" und zur Dauer-Party verkommen. Fastnacht als kulturelles Ereignis sei im Gegenteil "eine Begegnung der Seelen", erleichtert durch die Verkleidung. Sie vermittle ein Gefühl der Gemeinsamkeit und eröffne den Blick auf die eigene Endlichkeit. Als zeitlich begrenzter Ausbruch aus einer Welt ohne Fantasie sei sie zu verstehen und deshalb habe sie auch weiterhin eine Daseinsberechtigung.

Nur mit einer starken Lobby kann die Brauchtumspflege auch künftig fortgesetzt werden, so die Überzeugung Domfelds. Der Verband wisse um steigende Kosten und immer höhere Auflagen für Veranstaltungen. Verschärfungen im Waffengesetz, Vermummungsverbote oder genervte Anwohner könnten es in der Zukunft immer schwieriger machen, die Kultur der Fastnacht zu pflegen. 

 

Europa im Ortenauer Narrenbund

 

"Der Stolz auf die eigene Heimat muss sein, doch wollen wir Gäste zu uns einladen, um ihnen unser Haus zu zeigen und Freunde zu  werden!"

 

Ein friedliches Europa ist nicht durch politische Verträge sondern nur durch Freundschaften unter den Menschen in Europa zu erreichen. Jeder darf stolz auf seine Stadt, seine Region und sein Land sein, aber Grenzen verlieren durch das Band der Freundschaft an Bedeutung. Freundschaft ist grenzenlos. Der Ortenauer Narrenbund hat den europäischen Gedanken schon sehr lange in seinen Verband aufgenommen. 1990 wurde in Bühlertal die Jumelage zwischen der KG Einhorn Saverne /Frankreich und dem ONB besiegelt. 2010 wurde eine gegenseitige fördernde Mitgliedschaft auf alemannischer und kultureller Ebene mit dem Schweizer Fasnachtsverband HEFARI (helvetischer Fasnachtsring) durch beide Präsidien beschlossen. 2011 wurde die niederländische Fastnachtsgesellschaft "De kraonige Zwaone" in den ONB aufgenommen.

 

Die Freundschaft ist ein hohes Gut der Menschlichkeit. Gegenseitiges Kennenlernen bewirkt nicht nur Freundschaft, sondern auch Verständnis füreinander. Verständnis bedeutet Respekt und Anerkennung für den anderen. Auch dieses Ziel wollen wir uns setzen.

 

Wir wollen nicht eigenes, regionales und bodenständiges Brauchtum aufgeben, sondern anderen die Möglichkeit eröffnen, es kennen zu lernen. Die Fastnacht/Fasnacht fordert uns in einer globalen Welt, in der zunehmend regionales Kulturgut verloren geht. Gemeinsam wollen wir diesem Prozess entschieden entgegenwirken und regionales Brauchtum erhalten und schätzen.

 

 

Rainer Domfeld

   Präsident