Jahreshauptversammlung 2026 des Ortenauer Narrenbunds


Unsere diesjährige Jahreshauptversammlung durften wir bei den Willstätter Hexen ausrichten. Den Anfang machten die Begrüßungen durch ONB Präsidentin Silvia Boschert, Zunftmeister der Gastgeberzunft Christian König und Ortsvorsteher Tobias Polley.
Nach den offiziellen Berichten aus den verschiedenen Gremien folgte die Vorstellungen von neuen Themen, Vereinen, Aktionen und Aussprachen.

Ein herzlicher Dank gilt der Ausrichterzunft Willstätter Hexen sowie der Gemeinde Willstätt.

Bericht Kehler Zeitung von Volker Gegg & Berichts-Foto: Volker Gegg

Narrenpalais in Kehl wohl gerettet

Die Vorbereitungen auf die Narrentage des Ortenauer Narrenbunds im
Januar in Berghaupten sind in der Endphase. Der Narrenverband ärgert
sich über das Vergabeprozedere für Kulturerbetitel.

Willstätt-Sand. Der Ortenauer Narrenbund (ONB) steht seit über 45 Jahren für
mittlerweile 61 Narrenzünfte zwischen der Stadt Bühl und dem Großraum Lahr.
Der ONB hat bei seiner 45. Jahreshauptversammlung in der Halle in Willstätt-Sand
auf die Zukunft der alemannischen Fasent, den Erhalt des Brauchtums und
wachsende bürokratische Anforderungen geblickt.

Gastgeber waren die Willstätter Hexen 1958, die dem Verband seit 2011
angehören und derzeit rund 180 Mitglieder zählen. ONB-Präsidentin Silvia
Boschert würdigte die Arbeit der Mitgliedszünfte und rief dazu auf, sich weiterhin
gemeinsam für die Fasent als Kulturgut einzusetzen. „Ihr gebt unserem Verband
einen guten Namen. Ihr macht aus unserem Fasnachtsverband etwas ganz
Großartiges“, sagte Boschert zu den Zunftvertretern und Ehrengästen. Auch
angesichts zunehmender Vorgaben und organisatorischer Hürden müsse der
Verband für das Brauchtum kämpfen.

Mehr Bürokratie
Boschert steht nach eigenen Angaben seit elf Jahren an der Spitze des ONB. In
ihrem Geschäftsbericht verwies sie auf sieben Präsidiumssitzungen und 15
besuchte Verbandsveranstaltungen während der zurückliegenden Fasent.
Insgesamt gab es für die Präsidentin 65 offizielle Termine, darunter auch
Veranstaltungen der Stadt Kehl. Die Zusammenarbeit mit der Politik werde für den
Verband zunehmend wichtiger, auch wenn die Bürokratie eher zunehme.
Ein zentrales Thema war die Zukunft des Narrenpalais in Kehl. Die Stadt hatte die
Nutzung der Räume vor drei Jahren gekündigt. Nach mehreren Gesprächen sei nun
ein Kompromiss gefunden worden, berichtete Boschert. Der Ältestenrat der Stadt
habe dem Vorhaben in der Woche vor der Versammlung zugestimmt. Nun müsse
noch der Gemeinderat entscheiden. Boschert zeigte sich zuversichtlich, dass der
Narrenbund das Narrenpalais weiterhin betreiben könne. „Ich kann euch aber
sagen, das hat uns und vor allem mir einige schlaflose Nächte beschert.“
Willstätts Bürgermeister Tobias Polley betonte die Bedeutung des Vereinswesens
für die Gemeinde. In Willstätt gebe es rund 100 Vereine, darunter mit den beiden
Zünften aus Eckartsweier und Willstätt zwei große Mitgliedszünfte des ONB. Zu den
Gästen zählte auch eine Delegation des schweizerischen Fasnachtsverbands
Hefari, der rund 650 Zünfte und Cliquen vertritt. Boschert sprach von einer
gewachsenen Freundschaft.

Vizepräsident Finanzen Rainer Oehler zog eine positive Bilanz, auch dank der
Jubiläumsaktivitäten zum 44-jährigen Bestehen des ONB im vergangenen Jahr.
Peter Szyszka, Vizepräsident Brauchtum, informierte, dass der neunköpfige
Brauchtumsausschuss drei Sitzungen abgehalten und einen Ausflug nach
Bonndorf unternommen habe.

Beim Thema Eintrag einer Zunft in die Liste „Immaterielles Kulturerbe“ (IKE) gebe
es zwei offene Verfahren, während 25 Anträge genehmigt seien. Szyszka kritisierte
die unzureichende Transparenz des Trägerverbands, der Vereinigung Schwäbisch
Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). „Für die Vergabe des Kulturerbe-Titels gibt es
keine einheitlichen Richtlinien, lediglich die speziellen Leitlinien der VSAN, die wohl
nicht für alle Zünfte der 16 im Land aktiven Narrenvereinigungen gelten“, so der
Historiker. Szyszka habe sich deshalb auch bei der Deutschen Unesco-Kommission
in Bonn über abweichende Bewertungen und Voraussetzungen bei einem Besuch
informiert und werde das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der
Arbeitsgemeinschaft der Narrenverbände (Arge) setzen.

Schwarze Liste
Für 2027 kündigte der Verband die Wiederaufnahme der Brauchstammtische an.
Szyszka machte deutlich, dass Perchten (Raunächte) und Krampusse (Nikolaus)
nicht zur schwäbisch-alemannischen Fasent des ONB gehören. „Es gibt eine
schwarze Liste in Oberschwaben, in der solche Gruppen aufgeführt sind. In der
Ortenau sind es bereits zwei bekannte Perchtengruppen.
Boschert erinnerte an weitere Aktivitäten des Verbandes, darunter das zum 44
jährigen Bestehen erschienene Häsbuch, das im Januar 2027 online verfügbar sein
soll. Als gelungen wertete sie den Kameradschaftstag bei der Narrenzunft Bühl
Neusatz sowie den Präsidiumsausflug zum Schloss Langenstein mit seinem
Fasnachtsmuseum.

Die Narrentage 2027 in Berghaupten (29. bis 31. Januar) sollen nach ihren Worten
ein Höhepunkt werden; die ausrichtende Narrenzunft Knerbli stemme die
Vorbereitungen zu ihrem 55-jährigen Geburtstag weitgehend selbst. Für die
Verbandsjugend kamen mehr als 3000 Euro bei einer Süßigkeitenaktion mit dem
Edeka-Großmarkt zusammen. Weitere Angebote umfassten unter anderem den
Jugendfasnachtstag und Juleica-Schulungen. Michael Fabian verwies auf die sehr
aktive ONB-Tanzsportgruppe mit 24 Tänzerinnen.

Vizepräsident Steve Altmann hob die Öffentlichkeitsarbeit sowie die
Veranstaltungen und Führungen im Narrenpalais hervor. Zugleich rief er die
Mitgliedszünfte dazu auf, noch fehlende Häser für die Ausstellung bereitzustellen.
Die Ausstattung von Jubiläen und Ausstellungen gehöre ebenfalls zu den Aufgaben
seines Ausschusses.

Ohne Gegenstimme wurde nach zweijähriger Probezeit die Narrenzunft Bühler
Hexen als Vollmitglied wieder in den ONB aufgenommen. Die Zunft war bereits
Mitglied gewesen, war jedoch wegen Querelen mit dem Amtsvorgänger von
Boschert vor einigen Jahren aus dem Verband ausgetreten.